Das Wetter hier in Norwegen kann echt wechselhaft sein. Als wir heute morgen am gestern erwähnten Märchensee am Nirgardsbreen wach wurden, küsste uns die Sonne über der traumhaften Naturkulisse. Um uns sah es aus wie in einem kitschigen Rosamunde Pilcher Film, einfach traumhaft. Ich erspare euch die schwülstigen Umschreibungen – diesmal 😉 Im Bus war’s bullenheiß, so dass wir uns schnell daran machten, unser dekadentes Frühstücksbuffet an unserer privaten See-Promenade auszurollen. Aber gerade als wir damit fertig waren und uns dem ersten frisch gebrühten Kaffee widmen wollten, zogen sich dunkle Wolken über uns zusammen. Es schien fasst so als wolle uns Thor mal wieder ärgern. Schon begann es zu tröpfeln. Alles binnen etwa 2 Minuten – von Supersonnenschein mit 25 Grad auf 10 Grad und Herbst-Athmosphäre. Wir verzogen uns unter die aufgeklappte Heckklappe unseres Busses, die in dieser Funktion ein vorzügliches Vordach abgibt. So saßen wir einigermaßen trocken und konnten unser Frühstück beenden, bevor es wieder auf die Straße ging.

Jotunheim

Wir fuhren die 55 in Richtung Nord-Westen. Die serpentienenreiche Strecke führte uns rasch in die eisigen Höhen von Jotunheim. Diese legendäre Bergwelt ist die höchste Nordeuropas und wird von mehr als 250 Bergen mit einer Höge von fast 2.000 Metern auf einer Fläche von insgesamt rund 3500 km² geschmückt. Da die Schneegrenze hier in Norwegen aber deutlich niedriger liegt als z.B. in der Schweiz oder Österreicht, kamen uns die Bergmassen eher vor wie stattliche 3.000er.

jotunheim
Schneebedeckte Berge in Jotunheim

Binnen 30 Minuten durchliefen wir alle Landschaftstypen Norwegens im Zeitraffer und befanden uns dann schon wieder oberhalb der Schneegrenze. Vor uns tat sich eine mächtige Landschaft, mit zart geschwungenen Hügeln bis zum Horizont auf. Die karge Vegitation schien aus tausenden verschiedener Grüntöne zu bestehen. Am Scheitelpunkt des Gebirgskamms, der von teils meterhohen Schneefeldern, Eisseen, Gletschern und Moränen gezeichnet ist, stießen wir auf seltsame, akribisch aufgeschichtete Steinhaufen. Eine später folgende Infotafel ließ uns wissen, dass es sich um Bauwerke aus der Eisenzeit handelte. Zweck und Funktion unbekannt. Irgendwie gruselig in dieser einsamen Landschaft.

Wir machten zahlreiche Stops und noch mehr Fotos und waren absolut begeistert von der Bergwelt Jotunheims. Es lag wohl daran, dass dies die mitunter natürlichste und menschenleerste Gegend unserer Tour war. Bis auf einige verlassene Winterhütten und ein paar Bekloppte, die die Strecke per Fahrrad zurücklegten, sah man praktisch keinen Menschen.

Im Anschluss setzten wir unsere Fahrt bis nach Lom fort, wo wir kurz einkauften um uns später zu bekochen. Nach einer verzögerten Mittagspause ging’s auf die E6 und damit unwiederbringlich wieder Richtung Zivilisation. Diese „Autobahn“ (in Norwegen heißt sie so, auch wenn sie größtenteils nur einspurig ist und nur mit 40km/h beschlichen werden darf!) führt uns wieder in den Süden Richtung Oslo und damit zu unserem letzten Teil der Reise. Nach nunmehr über zwei Wochen, in denen wir unglaublich viel von diesem beeindruckenden Land sehen durften, wollen wir noch nicht daran denken, dass dieses Abenteuer so bald endet. Mit der großen Natur wird’s das aber jetzt wohl gewesen sein. Morgen gehts nach Lillehammer und danach in die „grüne Hauptstadt“ Oslo, die wir ausgiebig erkunden wollen.

Heute schlafen wir kurz hinter Lillehammer mitten in der Natur. Ein letztes mal wildcampen bevor es wieder in den städtischen Trubel zurück geht.

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