Endlich geht es wieder los. Gegen 6 Uhr starteten wir vom heimischen Düsseldorf in den Süd-Osten und passierten dank zahlreicher Baustellen und damit verbundener Staus nach etwa 8 Stunden Fahrt die Grenze nach Österreich. Hier quartierten wir uns im netten Café Maier in Golling an der Salzach ein, dass neben seinem hervorragenden Konditorei-Betrieb auch noch mehrere Zimmer bzw. Ferienwohnungen betreibt. Aber warum gerade Golling? Euch sagte das kleine Dörfchen sicherlich bisher auch nichts? Uns ging es jedenfalls so. Die optimale Lage war für uns ausschlaggebend. Die Gemeinde liegt nur etwa 25 Kilometer von Salzburg entfernt, zudem kommt man von hier binnen kürzester Zeit zum Königssee auf deutscher Seite und den Gebirgszügen von Hagengebirge und Tennengebirge auf österreichischer Seite. Golling selbst glänzt mit einer netten kleinen Burg, ein paar traditionellen Gasthäusern und einer Zugverbindung (Salzburg-Tiroler-Bahn), damit man das Auto auch mal stehen lassen kann. Von hier aus wollen wir die Umgebung erkunden.

Golling an der Salzach – Beschaulickeit mit Burg

Leider meinte es das Wetter seit unserer Ankunft nicht sonderlich gut mit uns. Nachdem wir unser toll ausgestattetes Appartement, von dessen Balkon wir einen großartigen Blick auf die nahen Berge haben, bezogen hatten, ging es auf Erkundungstour. Das beschauliche Dorf Golling an der Salzach hat rund 4.200 Einwohner und blickt auf eine stolze Geschichte zurück. Kelten und Römer siedelten hier bereits vor ewigen Zeiten. Später kamen die Baiern in das Gebiet. Seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts thront die Burg Golling als ständiger Steinbau über der Siedlung. Sie stand unter der Verwaltungshoheit der Erzbischöfe zu Salzburg, die die strategisch gelegene Anlage als wichtigen Vorposten nutzten.

In den Gassen rund um die inzwischen als Museum und Veranstaltungsstätte genutzten Burganlage geht es recht beschaulich zu. Das ganze Dorfzentrum lässt sich bei einem rund 30 Minuten kurzen Spaziergang besichtigen, inklusive Rundgang in der beachtlichen, mittelalterlichen Dorfkirche. Unser Café Meier ist offenbar ein Hotspot des dörflichen Gemeindelebens und ist durchgängig gut besucht. Ansonsten gibt es noch einen nahen Wasserfall, den zu erwandern sich lohnen soll, und ansonsten viel Ruhe. Und genau das haben wir gesucht. Am liebsten mit reichlich Sonne. Aber die versteckt sich hier bisher größtenteils hinter den tief hängenden Wolken.

Auf nach Salzburg – der Sonne hinterher

Altstadt Salzburg
Die Altstadt von Salzburg zählt zum UNESCO Weltkulturerbe

Nach dem gestrigen Frühstück war denn auch schnell klar was wir unternehmen wollten: ins nahe Salzburg sollte es gehen, der mit rund 150.000 Einwohnern nach Wien, Graz und Linz viertgrößten Stadt Österreichs. Wir entschieden uns aufgrund der doch recht stattlichen Preise gegen eine Anfahrt mit dem Zug und Weiterfahrt mit der Tram und steuerten mit dem Auto die von verschiedenen Online-Portalen empfohlene Altstadtgarage an, die besonders zentral liegt und mit weit über 1.200 Parkplätzen reichlich Stellmöglichkeiten bietet. Das Parkhaus an sich ist schon eine Sehenswürdigkeit: es ist direkt in den Salzburger Mönchsberg gesprengt worden. Durch einen Tunnel erreicht man fußläufig binnen weniger Minuten die Getreidegasse in der Altstadt, das Geburtshaus Mozarts und den Salzburger Dom. Die Preise sind mit 2,40 Euro pro Stunde und 22 Euro maximal pro Tag recht fair. (TIPP: Bei einigen Restaurants kann man die Parkkarte auch noch stempeln lassen, wodurch man kräftig sparen kann. Also unbedingt mal beim Kellner nachfragen, wenn ihr euch irgendwo ein Stück Sachertorte gönnt!)

Dom zu Salzburg
Dom zu Salzburg

Die Altstadt Salzburgs zählt zum UNESCO Weltkulturerbe und hat unglaublich viel zu bieten. Auf kleinstem Raum findet man zahlreiche imposante Sakralbauten, deren Besichtigung sich unbedingt  lohnt. Dafür muss man auch kein großer Anhänger der katholischen Kirche sein. Diese Bauwerke atmen Geschichte und bieten hinter jeder Säule eine beeindruckende, neue Perspektive. Von der außergewöhnlichen Franziskanerkirche ging es zum wunderschönen Petersfriedhof und weiter zu den sogenannten Kataomben. Gemeint sind nicht etwa Grabanlagen aus der Zeit der Römer, sondern frühmittelalterliche Bauten, die teils natürlich entstanden, teils mit groben Werkzeugen in den Felsen oberhalb der Stadt geschlagen wurden. Hier lebten ab dem 700 Jahrhundert Eremiten. Heute kann man die engen Höhlen, in denen sich auch zwei Kapellen befinden, für nur 2 Euro besichtigen.

Für uns ging es weiter über die geschäftige Getreidegasse, auf der sich ein Geschäft neben dem anderen drängt. Dort findet sich das Geburtshaus Mozarts, das dank der auffällig gelben Fassade und den großen goldenen Lettern an der Fassade als solches zu erkennen ist. Hier tummelten sich vor allem große Gruppen aus Fernost, die recht geräuschintensiv den besten Platz für ein Selfie ausfochten. Wer das Museum im Inneren, das zu den meistbesuchten des Landes zählt, sehen möchte, sollte sich auf viel Gedränge gefasst machen. Vor allem in der Hauptsaison. Wir zogen lieber weiter zum Salzburger Dom und zur Kollegienkirche bzw. Universitätskirche. Ja richtig, wir haben so gut wie keine größere Kirche ausgelassen 😉 Alle sind sie individuell, alle besonders, alle absolut sehenswert.

Blick auf Salzburg
Blick auf Salzburg

Dann mussten wir uns natürlich noch das auffälligste Bauwerk der Stadt näher ansehen: die Festung Hohensalzburg. Sie thront dominant auf dem Festungsberg über den Dächern der Altstadt und begrüßt als größte vollständig erhaltene Burg Mitteleuropas alljährlich Millionen Touristen. Mit einer kleinen Standseilbahn waren wir in wenigen Minuten mitten in der riesigen Anlage, in der man einen interessanten Rundgang mit Audioguide machen kann. Wer sich für das Mittelalter und den Lauf der Geschichte interessiert, darf einen Besuch auf der Hohensalzburg definitiv nicht auslassen. Vor allem die mittelalterlichen Prunkzimmer der Fürstbischöfe sind atemberaubend.

Freischwimmer im Sternbräu

Nach etwa 5 Stunden Rundgang durch Salzburg kehrten wir dann mit knurrendem Magen im Sternbräu ein, das bereits seit 1542 existieren soll, in dieser Form aber erst seit einigen Jahren seine Gäste begrüßt. Der Laden machte einen tollen Eindruck und die Karte war vielversprechend. Wir nahmen in einem der beiden gemütlichen  Biergärten unter großen Kastanien Platz und wurden umgehend bedient. Ich gönnte mir ein Flanksteak mit Kartoffelgratin, Lydia bestellte die Brauhausbratwurst mit Rahmsauerkraut. Dazu probierte ich ein naturtrübes Sternbräu, das sich durchaus gut trinken lässt. Das Essen kam und sah erst mal großartig aus. Leider musste ich dann aber feststellen, das mein Flanksteak komplett zerbraten war. Den Hinweis darauf quittierte die Küche mit dem Kommentar, man würde ein Flanksteak halt grundsätzlich „well done“ essen, nicht „medium“. Selbst in Mexiko würde das so serviert. Der Kellner nahm meinen Teller dennoch anstandslos zurück und lieferte mir 20 Minuten später eine optimierte aber nur halbe Portion. In der fand sich dann auch noch ein unfreiwilliger Freischwimmer: eine ansehnlich große Schmeißfliege dümpelte in der Sauce. Erneut auf den Missstand angesprochen, versprach der Kellner, das Gericht nun komplett von der Rechnung zu nehmen. Er entschuldigte sich mehrfach, kam dann jedoch mit der Info zurück, dass das Gericht trotzdem voll bezahlt werden müsse, er mir aber einen Kaffee oder ein Dessert anbieten könne. Insgesamt eine überaus traurige Vorstellung. Offenbar hatte der Koch einen gebrauchten Tag erwischt und die Fliege das fliegen verlernt.

Sei’s drum. Lydia war dafür vollauf zufrieden. Am besten macht ihr euch euer eigenes Bild. Unseren Salzburg-Tag hat dieser Abschluss jedenfalls nicht sonderlich geschmälert. Die Stadt ist absolut großartig und unbedingt eine Reise wert – und das nicht nur wenn das Wetter nicht mitspielt.

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