Hier in den Bergen definiert die Wetterlage in der Regel den Aktionsradius. Und da es heute regnen oder zumindest durchgehend bewölkt sein sollte, freundeten wir uns mit etwas wetterunabhängigeren Aktivitäten an. Von Lungern aus fuhren wir über die Autobahn Richtung Norden. Am Sarner See entlang ging es bis Hergiswil und dann östlich nach Buochs und Beckenried am schönen Vierwaldstättersee. Am Himmel zeigte sich eine geschlossene Wolkendecke, die nur selten von einigen Sonnenstrahlen durchbrochen wurde. Wir fuhren auf die Autofähre, die Beckenried am Südufer mit Gersau im Norden verbindet. Für schlanke 34 SFR (24 fürs Auto und je 5 für jede weitere Person außer dem Fahrer) ließen wir uns über den See schippern und den teils starken Wind um die Nase wehen.

Vitznau – Weggis – Küssnacht

Von Gersau ging es über die Küstenstraße durch die bekannten Orte Vitznau, Weggis und Küssnacht, die uns jedoch nicht sonderlich begeistern konnten. Wir hatten auf ein paar nette Einkaufs- und Sightseeingmöglichkeiten gehofft, aber die bekannten Bade- und Kurorte hatten neben beeindruckenden Hotels am Ufer und vielen Neubauten nicht viel Außergewöhnliches zu bieten. Vielleicht hätte man sich mehr Zeit nehmen müssen um die Promenaden und Dorfzentren anzusehen, aber das Wetter war wenig einladend. Also setzten wir unsere Fahrt bis Luzern fort.

Luzern – Perle am Vierwaldstättersee

Der ADAC Reiseführer sagt: „Wenn jemand behauptet, Luzern sei die schönste Stadt der Schweiz, dann sollte man nicht widersprechen. Er wird am Ende wohl die besseren Argumente haben.“ Dem gebe ich uneingeschränkt recht. Ich habe so ziemlich jede große Stadt in der Schweiz besucht, aber kaum eine andere strahlt eine solche Liebenswürdigkeit, Internationalität und Wärme aus, wie Luzern. Die Stadt mit ihrer unverwechselbaren Lage am Vierwaldstättersee, in direkter Nachbarschaft zum Hausberg Pilatus, hat zwar nur gut 80.000 Einwohner, wirkt aber wie eine pulsierende Großstadt. Kein Wunder – verglichen mit allen andern Orten im Umkreis von 50 Kilometern ist sie der uneingeschränkte Anziehungspunkt. Sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Neben zahlreichen Museen finden sich hier auch die größten Arbeitgeber der Region und zudem die besten Einkaufsmöglichkeiten. Zudem besitzt die wundervolle Altstadt, die von der Reuss durchflossen wird, einen ganz besonderen Charme. Zwischen Spreuer- und Seebrücke reihen sich entlang der Promenade viel nette Restaurants und Bars aneinander und die dahinter liegenden Gassen beherbergen zahlreiche kunstvoll bemalte Kaufmannshäuser aus dem späten Mittelalter. Die weltberühmte, 204 Meter lange Kapellbrück, die um 1300 errichtet und 1993 bei einem Brand fast vollständig zerstört, anschließend aber wieder originalgetreu aufgebaut wurde, das Löwendenkmal, die Jesuitenkirche und die Museggmauer sind nur einige Highlights Luzerns.

Das ist leider auch den Touristen aus aller Welt nicht verborgen geblieben, die sich an manchen Tagen in Massen durch die Gassen schieben. In den letzten 20 Jahren hat sich auch der Einzelhandel dahingehend umorientiert und so reiht sich mancherorts Souveniershop an Uhrenladen um konsumwillige Asiaten zu versorgen. Doch es gibt auch immer noch ruhigere Ecken an denen man das echte Luzern findet. Die Rathaus Brauerei zum Beispiel, die ein hervorragendes, trübes Sommerbier nach Pilsener-Brauart herstellt. Hier kehrten wir nach einer gemütlichen Stadttour ein und genossen bei einer Cervelat den Blick auf die ruhig dahin ziehende Reuss. Danach ging es wieder zurück ins Beschauliche Lungern, wo uns zum Abend deutlich besseres Wetter als am Morgen begrüßte. Morgen soll es wieder sonnig werden, also wollen wir nach Melchsee Frutt fahren…

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