Heute fuhren wir von Gaupne nach einem ausgiebigen Frühstück Richtung Nirgardsbreen, einem Seitenarm, bzw eine Gletscherzunge, des riesigen Jostedalsbreen. Dieses riesige Gletschergebiet umfasst ganze 487 Quadratkilometer. Zusammen mit den angrenzenden Eisfeldern stellt es den größten Plateugletscher auf dem europäischen Festland dar.

Schon die Fahrt war spektakulär. Die toll ausgebaute Straße folgt dem Gletscherfluss mit seiner unwirklichen, türkiesen Färbung in derart sportlicher Manier, dass der ambitionierte Autofahrer mit einer erlaubten Duchschnittsgeschwindihkeit von 80km/h seine wahre Freude hat. Gut 30 Kilometer fährt man so talaufwärts, bis man eine Mautstelle passiert. Für den letzten Streckenabschnitt zahlt 30 NOK (etwa 4 Euro) und darf dann durch die immer karger werdende Moränenlandschaft des Gletschers fahren.

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Eis vom Gletschersee des Nigardsbreen

Eine Besonderheit des Nigardsbreen, ist seine wechselhafte Ausdehnung. Unabhängig von Phänomenen wie dem Klimawandel, wächst oder schrumpft er teilweise rasant. 1743 verschüttete er etwa binnen weniger Jahre die namensgebenden Siedlung Nigard um sich „kurz“ darauf wieder zurückzuziehen. Das Moränenfeld markiert seine größte Ausdehnung. Ab 1930 hinterließ er bei seinem Schrumpfungsprozess einen märchenhaften Gletschersee, an dessen Ufer wir parkten. Von hier aus ging es in einer etwa 45 minütigen Wanderung bis an den Fuß der blauen Massen.

Leider hatten wir die letzte, geführte Wanderung in den Gletscher knapp verpasst. Das änderte jedoch nichts an dem überwältigenden Anblick der sich uns bot. Links und rechts türmen sich riesige Felswände, hier und da mit kleinen Schneefeldern besetzt und von kleinen Wasserfällen benetzt. Das sich spiegelnde Sonnenlicht lässt diese Flächen wie kristallene Adern wirken. Zwischen den Berghängen bricht der Nirgardsbreen wie ein weißer Koloss hindurch. Der reißende Fluss, der sich aus dem Gletscher in den See ergießt, rundet das Gesamtbild spektakulär ab.

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Der Nigardsbreen macht etwa 10 Prozent des größten europäischen Festlandsgletschers, des Jostedalsbreen, aus

Wir genossen dieses grandiose Schauspiel bei einem Picknick und machten uns danach gemütlich auf den Rückweg. Da es Odin und Thor heute gut mit uns meinten bei bestem Sonnenwetter. Im Anschluss suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen am Lustrafjord und gönnten uns ein ordentliches Grillgelage.

Mittlerweile liegen wir noch einige Kilometer weiter nördlich an einem traumhaften See, nahe dem Dorf Skjolden. Von hier starten wir morgen die lange Fahrt durch Jotunheim Richtung Osten. Die Strecke führt uns mal wieder in eisige Höhen. Wir sind gespannt. Morgen oder Übermorgen wollen wir dann in Lillehammer sein.

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