Nicht das wir schon genug von der Zentralschweiz gehabt hätten, aber nach einer Woche im wunderschönen Lungern, zog es uns Richtung Süden. In Claino con Osteno, an der Ostküste des Lago di Lugano, haben wir für mehrere Tage ein Appartement direkt am See gemietet. Also starteten wir gegen 10:00 Uhr unsere Passtour über die Alpen – denn durch den Gotthardtunnel fahren kann ja jeder 😉

Grimselpass

Über den beschaulichen Brünigpass, den wir in den letzten Tagen bereits viele mal überquert hatten, ging es über Meiringen vorbei an der Aareschlucht bis Innertkirchen, wo der berühmte Grimselpass seinen Anfang nimmt. Der Straßenpass existiert bereits seit 1894 und war schon zuvor ein bedeutender Weg über die Alpen. Die Passstraßen schraubt sich in unzähligen Serpentinen den Hang hinauf, vorbei an der beeindruckenden Staumauer des Räterichsbodensees und entlang am Grimselsee. Die Landschaft wird mit zunehmender Höhe karger und am Grimselsee hat man den Eindruck, sich auf einem anderen Planeten zu befinden. Die Felsen sind seltsam glatt geschliffen und teils mit grünen Flechten bewachsen, dazwischen der milchige See, in den ein Fluss mündet, der direkt aus einer Felswand zu sprudeln scheint. Auf 2.164 Meter Höhe ist die Passhöhe erreicht, auf der der Totensee thront. Dahinter führt die Südrampe der Passstraßen talwärts bis zum kleinen Ort Gletsch. Hier fuhren wir auf den nächsten berühmten Pass: den Furkapass.

Furkapass

Während der „Grimsel“ größtenteils sehr gut ausgebaut ist und viele tolle Aussichtspunkte bietet, verlangt der Furkapass dem Fahrer schon deutlich mehr ab. Die Spur ist um einiges schmaler, was bei entgegenkommenden Bussen und Campingmobilen durchaus zu haarigen Situationen führen kann. Immerhin geht es abseits der Straße extrem steil bergab und eine Streckenbegrenzug in Form einer Leitplanke sucht man meist vergebens. Also ist höchste Konzentration gefragt. Die Passhöhe liegt auf beachtlichen 2.429 Metern ü.M.. Seit etwa 1866 ist die Passstraßen für den Warenverkehr zugänglich, aber auch die Geschichte dieser Route reicht bis in die Römerzeit zurück. Nach einigen aufregenden Verkehrssituation verließen wir den Furkapass und bogen bei Hospental auf den letzten großen Pass unserer Route: den Gotthardpass.

Der Gotthardpass

Der berühmte Gotthardpass war seit dem 12. Jahrhundert bis zum Bau des Autobahntunnels die wohl wichtigste Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen. Die Stecke wurde in den 1960er und ’70er Jahren gut ausgebaut, wodurch die Nutzbarkeit stark verbessert wurde. Eine weitere Modernisierung folgte 2009-2011, so dass man die Route heute sehr bequem im Pkw bewältigen kann. Mir ist es ehrlich gesagt ein Rätsel, warum sich alljährlich eine Blechlawine vor dem Gotthardtunnel aufstaut, anstatt die tolle Route über die Berge zu nehmen.

Claino con Osteno am Lago di Lugano
Abendliche Aussicht auf den Lago di Lugano in Osteno

Für uns ging es weiter auf die E35 Richtung Süden. Wir überquerten die Kantonsgrenze Uri/Tessin und fuhren über Airolo, Quinto und Bellinzona bis nach Lugano, die heimliche Hauptstadt des Tecino. Von hier aus ging es entlang am wunderschönen Lago Di Lugano nach Osten, vorbei am berühmten Gandria über die Grenze nach Italien. An der Strecke überall Palmen und immer wieder durchfuhren wir hübsche, kleine Dörfer. Bei Porlezza, dem letzten größeren Ort am Luganersee (ital. Lago Ceresio) fuhren wir um die Ostspitze des Sees und weiter auf einer teils abenteuerlich engen Küstenstraße nach Osteno. Hier sitzen wir jetzt in der bezaubernden Bar Torrione, direkt am Ufer des Lago Di Lugano und lassen uns ein Birra Grande schmecken. Das Dorf ist traumhaft ruhig, da keine Durchgangsstraße das Zentrum durchschneidet. Jetzt erholen wir uns etwas und starten morgen in die Umgebung.

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