Nicht ganz ernstgemeinete Erkentnisse unserer Norwegen-Reise von 2012 😉

Der Norweger…

…geht jederzeit gerne seinem größten Hobby nach: dem Rasenmähen.

…scheint nur zwei Häuserfarben zu kennen: weiß und norwegisch-rot. Zumindest in den ländlichen Gebieten ist das so. Wer sein Haus orange oder gar blau anstreicht, gilt als Revoluzzer!

…ist äußerst zuvorkommend. Man drängelt sich nicht vor, lässt dem Gegenüber stets den Vortritt und hat immer ein freundliches Grinsen und ein sonniges „Hoi!“ auf den Lippen.

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Typisch norwegisches Bier: Borg Pilsener in der handlichen 0,33l Flasche

…trinkt gerne Bier – auch wenn’s schweineteuer ist (die durchschnittliche Carlsbergplörre kostet hier nicht weniger als 5 Euro pro Dose!). Wer nichts auf sich hält trinkt die „alkoholfritt“ Version seiner Marke. Das ist günstiger, knallt aber irgendwie nicht. Was alkoholfritt wohl heißt!?

…mag Streetart! Es ist großartig zu sehen, welchen Stellenwert diese Kunstform hier hat. Bei uns immer noch verkannt und viel zu häufig kriminalisiert, ist sie hier in Städten wie Stavangar allgegenwärtig und auch auf Hausfassaden gern gesehen.

…liebt Countrymusic! Kein Scheiß! Ich dachte den Quatsch hört außerhalb der USA niemand, aber die Winkinger haben echt ein Faible dafür. Schon lustig wenn auf Radio Norge nach 10 Rockklassikern der obligatorische Norsk-Country-Hit der Stunde gespielt wird.

…kennt keine Fischbrötchen. Für Holländer wie Deutsche absolut unbegreiflich, aber hier tagtägliche Realität: keinem der zahllosen norwegischen Fische ist ein glorreiches Ende als Fischbrötchen beschieden. Die naheliegenste aller Vertilgungsmöglichkeiten ist hier gänzlich unbekannt.

…kennt auch keinen Erdbeerkuchen! ÜBERALL, also wirklich ÜBERALL kann man in Norwegen die National-Frucht Erdbeeren (Jordbæren) kaufen. Vor dem Supermarkt stehen sie, in der Fußgängerzone, im Park, an Häfen oder an der Autobahn: die meist jungen VerkäuferInnen mit Tisch, Stuhl und Papptafel, um die heimischen Ernteerträge unters Volk zu bringen. Trotzdem kommt hier niemand auf die simple Idee, lecker Erdbeerkuchen zu machen. Fragt man danach, bekommt man folgenden Rat: „Musst du nach Koppenhagen gehen!“

…kennt praktisch keine Binnenschiffahrt. Wer aus dem Rheinland kommt oder zumindest mal an der Mosel war, weiß wie viele Güter in Deutschland per Schiff transportiert werden. Bei den zig potentiellen Wasserstraßen in Norge, wäre es doch nur logisch, wenn auch hier dieser Verkehrszweig florieren würde. Zumal die Wikinger als die Erfinder der Binnenschiffahrt gelten dürften. Immerhin waren sie gerade wegen ihrer gefürchteten Schiffe so erfolgreich, mit denen sie dank geringem Tiefgang weit ins Landesinnere ihrer Opfer-Länder vordringen und diese überraschen konnten. Dennoch haben wir hier außer Fähren kein einziges Schiff auf Flüssen und Seen gesehen.

…redet echt unverschämt gut englisch. Und das durch alle Altersklassen. Man kann sich hier also prächtig verständigen und bekommt eigentlich überall eine freundliche Auskunft.

…braucht offenbar keine Autobahnen. Es mag an den gerade mal 5 Mio. Einwohnern und den damit verbundenen, verhältnismäßig wenigen Autozulassungen in diesem großen Land liegen: sieht man mal vom Großraum Oslo ab, gibt es keine Straße die einer Autobahn nach unseren Maßstäben entspricht. Man tuckert hier in der Regel mit gemütlichen 80km/h auf besseren, einspurigen Bundesstraßen über die Lande. Das ist auf Dauer aber echt entspannt, denn gedrängelt wird hier nicht. Und da es offenbar niemand eilig hat, schleicht man gemütlich mit.

…hat eine lustige Phantasiesprache. Echt jetzt: die ist erfunden! Im 14. Jahrhundert kam Norwegen unter dänische Herrschaft und Dänisch wurde Landessprache. Später schloss man sich mit Schweden zu einer Zweckgemeinschaft zusammen und sagte sich erst 1905 los. Das erstarkende Nationalgefühl brachte den Wunsch nach einer eigenen Sprache mit sich. Aus den Bestrebungen entstanden zwei neue Sprachvarianten: Nynorsk und Bokmål. Während Bokmål eine norwegisierte Form des Dänischen ist und nur von etwa 16% der Norweger bevorzugt wird, basiert das weiter verbreitete Nynorsk auf dem altnordischen und verschiedenen Dialekten. Beide gelten heute als Landessprachen. Wer gut hinhört versteht im Norwegischen übrigens einiges. Es klingt wie eine Mischung aus Englisch, Dänisch und Deutsch mit vielen Ö’s. Teilweise sind komplette Wörter übernommen – meist fehlt einfach nur ein Buchstabe. Für Deutschsprachige soll sie daher auch besonders leicht zu erlernen sein.

…hat einen importierten König. Kein Spaß: als man sich 1905 Von Schweden lossagte, fehlte der eigene Adel im Land, um dem Volkswunsch nach einem König gerecht zu werden. Der schwedische König wollte nicht (bekloppt gerade den nach der Loslösung vom Nachbarland zu fragen!) und so erinnerte man sich an den südlichen Nachbarn Dänemark. Dort fand sich ein Prinz namens Carl mit deutschen Wurzeln aus dem Hause Glücksburg. Der hatte Lust und wurde als Hårkon VII. inthronisiert um die Königslinie aus dem Mittelalter fortzuführen.

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