Als ich heute morgen die Vorhänge vor den Fenstern unseres kuscheligen Zimmers wegzog, konnte ich es kaum glauben: dicke graue Wolken bedeckten den Himmel. Und das gerade an dem Tag, an dem wir auf den Tafelberg wollten… 😕 allerdings hatten uns einige Locals vorab bereits gesagt, dass die Aussicht von dort oben längst nicht so gut sei, um dafür bis zu 3 Stunden auf Karten für die Gondelbahn zu warten, die pro Tag tausende Gäste auf den Gipfel des Kapstädter Hausbergs bringt. Die Sicht vom Signsl Hill sei mindestens genauso schön, zudem kostenlos und nicht mit einer Wartezeit verbunden, da easy mit dem Auto erreichbar. Zudem waren wir da ja schon am ersten Tag, so dass wir uns auf unseren Tags zuvor geschmiedeten Plan B einrichteten: Kunst & Shopping Tour durch Woodstock, dem angesagten Stadtteil östlich vom Zentrum gelegen. Auch die Tatsache, dass es nur geschätzte 27 Minuten dauerte, bis sich auch das letzte Wölkchen verzogen hatte und die pralle Sonne wieder mit 28 Grad auf unsere Köpfe knallte, lies uns davon nicht mehr abrücken.

Auf nach Woodstock

Wir packten also unsere Koffer – immerhin mussten wir im Anschluss ja schon unsere Zelte in Kapstadt abbrechen – und bunkerten diese bei der netten Dame an der Rezeption. Mit dem Auto fuhren wir etwa 10 Minuten bis nach Woodstock. Dort angekommen merkten wir jedoch, dass wir bei weitem nicht die Einzigen mit diesem tollen Plan B zu sein schienen. Zahllose Autos drängelten sich in den Straßen um die Old Biscuit Mill, dem Epizentrum der Kapstädter Subkultur. Nach einiger Zeit fanden wir jedoch noch einen (freundlich bewachten) Parkplatz, an dem wir unseren Wagen guten Gewissens stehen lassen konnten. Denn das ist hier bei weitem nicht selbstverständlich. In der Regel parkt man irgendwo an der Straße und wird dort von einem armen Teufel in eine Parklücke eingewiesen, der sich dafür ein paar Rand Lohn erhofft. Das ist teilweise echt bitter anzusehen. Zudem hat man immer die zahlreichen Warnungen vor Autoeinbrüchen im Kopf. Und das die berechtigt sind, haben wir schon an unserem ersten Abend hier gesehen: nur 100 Meter von unserem Haus entfernt, war die Scheibe eines parkenden Autos eingeschlagen worden.

Naja, unser Vehicel stand ja jetzt sicher auf dem Parkplatz von… von was überhaupt? Hatten wir garnicht bemerkt. Hauptsache guter Parkplatz. Umso schöner war es dann, im angrenzenden Gebäude eine erstklassige Kaffeerösterei vorzufinden, in deren mit Graffiti verschönertem Hinterhof wir einen grandiosen „Americano“ genossen. In der Nachbarschaft durchstreiften wir noch einige nette Schmuckateliers und Trödelläden und kamen dann an einen kleinen, unscheinbaren Geschäft mit coolen 60er-Jahre Möbeln vorbei. Auch wenn davon wohl kaum etwas in meinen Koffer passt, musste ich mich dort umschauen. Und das war eine gute Idee: hinter dem ersten begann ein zweiter Laden mit Klamotten und Schmuck, dahinter ein Café mit „Awesome Burgers, Shakes and Musclecars“ (!?) und über eine Treppe erreichte man mindesten 10 weiter Läden. Hinter jeder Ecke eine neue Welt. Genial! Künstler & Designer, Mode & Antiquitäten, Futter & Furniture, Individualisten & unvermeitliche Hipster – alle friedlich vereint unter einem Dach.

Old Biscuit Mill

Und wir waren ja noch nicht mal am Ziel. Das war jedoch nur wenige Meter entfernt: die Old Biscuit Mill ist eine alte Fabrik, in deren Eingweiden es sich zahllose Design-Shops gemütlich gemacht haben, dazwischen tummeln sich vor allem Samstags zahlreiche lokale Produzenten von Lederwaren, Mode, Holz-Produkten, Künstler und Musiker – und unglaublich viele, innovative Streetfood-Stände… in den nächsten Stunden durchstreifen wir das weit verwinkelte Gelände und konnten von den vielen Farben, Gerüchen und Eindrücken kaum genug bekommen. Zig Leute saßen mit einem Bier entspannt auf den Boden oder aßen zusammen an einem der endlos langen Tische.


Doch irgendwann mussten wir dann doch unseren Rückweg antreten. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von dieser bunten, packenden Stadt, sammelten unsere Koffer ein und prügelten uns für das vorerst letzte mal durch den kapstädter Verkehr.

Walhauptstadt Hermanus

Auf der N2 fuhren wir Richtung Osten und erreichten schon 1,5 Stunden später unseren nächsten Aufenthaltsort Hermanus, der als Walhauptstadt berühmt wurde. Die Riesen der Meere sollen hier bis auf wenige Meter an die Klippen herankommen – schade nur das sie das vornehmlich von April bis Dezember tun. In dieser Zeit kalben zahlreiche Glattwale hier und legen dafür mehrere hundert Kilometer zurück.

Wir checkten im wunderschönen 4-Sterne Haus Baleia De Hermanus ein, einer kleinen aber sehr gemütlichen Anlage, deren fünf Wohneinheiten alle um einen kleinen, zentralen Pool gruppiert sind. Bis ins Zentrum sind es nur 10 Minuten zu Fuß und in 5 Minuten erreicht man den Cliff Walk, einen etwa 10km langen Wanderweg, der direkt an den zerklüfteten Klippen entlang führt. Die liefen wir heute jedoch nicht mehr komplett, sondern begnügten uns mit den letzten zwei Kilometern bis zum Zentrum. Die kleine Stadt wirkt mit ihren zahlreichen luxuriösen Stadthäusern ziemlich europäisch, um diese Jahreszeit allerdings etwas verschlafen. Das kommt uns nach der turbulenten Zeit in Kapstadt aber gerade ganz gelegen.

Blick auf Hermanus
Blick auf Hermanus

Gegenüber des alten Hafens aßen wir mit einem grandiosen Blick aufs Meer zu Abend und traten dann zufrieden den Heimweg an. Zuvor berichtete uns der nette Kellner jedoch noch, dass er erst kürzlich noch Wale in der Bucht gesehen hatte. Das käme um diese Jahreszeit durchaus mal vor. Meist seien es dann Muttertiere mit ihrem Nachwuchs, der noch etwas aufgepäppelten werden müsse. Mit etwas Glück werden wir also doch noch einen Blick auf diese beeindruckenden Tiere erhaschen können. Drückt uns mal die Daumen.

P.S.: wir haben zig coole Bilder gemacht. Die Folgen aber erst morgen denn um 22 Uhr wird hier das WLAN deaktiviert…

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