Als wir heute Morgen um 9:00 Uhr nach einer unruhigen Sturmnacht und wenig Schlaf aus dem Bus stiegen, waren nur noch wenige unserer Party-Freunde vom Vorabend zu sehen. Der  Zyklon Olwyn war in den frühen Morgenstunden spürbar über uns hinweggezogen, doch wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir Geraldton schon wieder verlassen konnten. Wie wir aus den Nachrichten erfuhren, hatte Olwyn den nördlichen Teil Westaustraliens mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 km/h heimgesucht und für einiges Chaos gesorgt. Doch allen Befürchtungen zum Trotz waren die Straßen in den Norden wohl wieder freigegeben worden, worauf es die meisten Camper früher als erwartet wieder auf die Straße gezogen hatte. Ein Besuch der offiziellen Webseite des australischen Wetterdienstes bestätigte unsere Annahme:  Zumindest der wichtige Highway 1 war wieder offen. Also machten wir uns nach einem kurzen Frühstück wieder auf die Piste.

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Outback

Auf dem Weg zum Ningaloo Reef lag heute ein fast 500 Kilometer langer Abschnitt durch den Outback vor uns. Das Ziel hieß Carveton. Der kleine Ort gilt als Zentrum der australischen Banane und soll schon allein deswegen einen Besuch wert sein. Wir wollten entweder dort bleiben, oder weiter bis Coral Bay fahren, sofern die Küstenstraße frei wäre.

Der einspurige Highway war gähnend leer. Maximal jede halbe Stunde ließ sich ein PickUp oder ein riesiger Roadtrain, jene überlangen Riesen-LKW, bereitwillig von uns überholen. Ansonsten bot die bis zum Horizont schnurgerade verlaufende Straße wenig Abwechslung. An uns zogen trockene Weiten vorbei, die sich in den folgenden Stunden mehrfach völlig veränderten. Wir fuhren durch Buschland, das wir bereits aus dem Süden kannten, über hügelige Steppen mit wenigen, kleinen Bäumen und durch rotsandige, trockene Ebenen. Die Temperaturen lagen konstant bei über 32 Grad und am Straßenrand sahen immer mal wieder Tierkadaver. Der Zyklon des Vortages hatte zudem enorme Wassermengen abgeladen, mit deren Aufnahme die ausgedörrten Böden völlig überfordert waren. So hatten sich neben der Straße große Seen gebildet, die die Fahrbahn immer mal wieder kreuzten und von uns durchfahren werden mussten. Kein Kinderspiel wenn man die Straße vor lauter Schlammwasser nicht mehr sehen kann. Keine Siedlung weit und breit, nur alle 150 Kilometer mit etwas Glück eine Tankstelle.

Und genau eine solche suchten wir nach etwa vier Stunden Fahrt. Unser Tank war bis auf 20 Prozent zusammenschrumpft und hier draußen wollten wir definitiv nicht liegen bleiben. Doch die letzte Tankstelle für die nächsten 130 Kilometer war „Closed!“ – uff, damit hatten wir nich gerechnet. Laut Boardcomputer sollte unser verbliebener Diesel zwar gerade noch reichen, aber um kein Risiko einzugehen, wurden alle Stromfresser ausgeschaltet – somit auch die Klimaanlage, was die Weiterfahrt zu einem überschaubaren Spaß machte.

Carnavon

Etwa 1,5 Stunden später rollten wir erleichtert über die Stadtgrenze von Carnavon. Doch wir hatten nicht damit gerechnet, was der Zyklon hier für ein Chaos hinterlassen hatte. Das Stromnetz war zusammengebrochen, ebenso die Frischwasserversorgung. Nahezu alle Läden waren geschlossen, viele durch den Sturm beschädigt. Auf den Straßen kaum ein Mensch, dafür überall Trümmer.

Nach einigem Suchen fanden wir wenigstens einen notdürftig bestückten Supermarkt und (endlich) eine funktionierende Tankstelle, vor der sich eine lange Schlange gebildet hatte.

Wir quartierten uns auf einem eigentlich geschlossenen Camping-Platz ein und waren froh über unseren gut ausgestatteten Camper. Dank Gas-Herd, Dusche/Toilette und vollen Tanks sind wir weit weniger schlimm betroffen als viele andere. Dennoch hatten wir ein schlechtes Gewissen, den Einheinimschen hier den Diesel wegzutanken, mit dem vor allem die behelfsmäßigen Stromgeneratoren vor den Häsuern betrieben werden.

Morgen versuchen wir weiter bis zur Coral Bay zu kommen. Drückt uns die Daumen das die Straßen frei sind und die Orte weiter nördlich weniger schlimm betroffen sind.

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